Der Garten von Prof. Dr. Doschka

Oberhalb von Dettingen bei Rottenburg liegt das Gartenreich von Professor Roland Doschka. Der Professor für Romanistik hat 1980 gemeinsam mit seiner Frau Gabi begonnen eine Anlage nach französischem Vorbild zu gestalten. Besuchergruppen erläutert er gerne die Hintergründe farbenprächtiger Staudenbeete, liebevolle angelegter Streuobstwiesen, auf denen im Frühjahr rund 60000 Tulpen und andere Frühblüher wie ein Gemälde wirken.

Die Malerei ist es auch, die Professor Doschka für die Anlage des französischen Gartenteils genutzt hat. „Ich weiß nicht, was zuerst in mir entstand, die Liebe zur Kunst oder die Liebe zur Natur“, schreibt Doschka in seinem Buch „Ein Spaziergang durch unseren Garten“ und erzählt von Claude Monets Garten im französischen Giverny. Noch ist das Staudenbeet am flachen Teich ein Meer aus Grüntönen, doch zwei Wochen im Jahr erblüht es in den Farben der französichen Tricolore. Weiße, blaue und rote Stauden, alte Sorten, lange in Frankreich gesucht umrahmen dann den Teich und sind eine Hommage an Monet.

Rasengeheimnis

Perfekter englischer Rasen auf dem ein hundertjähriger Ilex-Großbonsai aus Japan steht, begrüßt die Gäste auf einer weiteren Ebene. Gerne erläutert Doschka den Besuchergruppen das Geheimnis seines perfekt englischen Rasens: Man nehme zwei Teile Quarzsand und einen Teil keimfreien Humus. Das wird gut vermengt und in einer drei Zentimeter dicken Schicht auf den zurückgeschnittenen, vertikutieren und gedüngten Rasen aufgetragen. Der Frühjahrsregen wäscht den Sand nach unten, der dann für eine gute Belüftung sorgt. Danach gelangt der Humus an die Wurzeln und sorgt für ein dichtes und kraftvolles Wachstum auf fettem Boden.

Französische Gartenkunst zeichnet sich durch Räume aus, die wie Umarmungen in einander übergehen und so geht der Besucher über eine Sandsteinterasse auf die nächste Ebene und erhält einen wunderbaren Blick zurück auf einen Springbrunnen umrahmt von großen Bäumen. „Das angrenzende Waldgebiet ist es, dass die oft wärmeliebenden Pflanzen sehr gut vor Ost- und Westwinden schützt,“ sagt der Kunstliebhaber

Am Rande der Wiesen, jetzt ein wahres Tulpenmeer gedeihen prächtige Hartriegelsträucher. Die weißen Blüten der Cornus milkyway sind es auf die Professor Doschka besonders liebt. Sie bilden einen wunderbaren Kontrast zu den dunkleren Sträuchern und Bäumen im Hintergrund.

Vorbei an der Tulpenwiese geht der Blick in die Ferne. In der englischen Gartenkunst gehört immer ein besonderes Element am Horizont hinzu. Während an vielen Orten dies ein künstlich angelegter Turm oder Tempel ist, ist in Doschkas Garten die örtliche Kirche der Orientierungspunkt in der Landschaft. Geometrisch laufen die Hecken darauf zu und führen so das Auge des Betrachters.

Von der Terrasse eines modernen lichtdurchflutendes Gebäude geht der Blick auf den letzten Gartenraum, der im Renaissance-Stil gehalten ist und einen Springbrunnen im Zentrum hat. Die beiden englischen Pavillons passen perfekt zu den üppigen Staudenbeeten. „Im Grund müssen Sie alle zwei Monate kommen“, sagt der emeritierte Professor Roland Doschka zum Abschied, „denn das Gesicht gerade dieser Beete ändert sich so häufig.“

Am Ausgang verabschieden zwanzig Himalaya-Birken die Besucher. Die in unseren Breiten einmalige Pflanzung zeichnet sich durch ihre weißen Stämme und ihr saftig grünes Blattwerk aus.

Die Aufnahmen sind im Rahmen einer Leserfahrt der Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung entstanden und wurden gemeinsam mit dem Text anschließend veröffentlicht.

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